Mit unserer neuen Kamera (Canon EOS 350D Spiegelreflex) kam ein neues Aufgabengebiet auch meinen Rechner zu: Fotos verwalten. Ich hatte bisher auch schon alles und jeden fotografiert und die Bildersammlung ist ordentlich gewachsen, aber nun kamen zwei Punkte die ich bisher noch nicht gebracuht hatte hinzu:
Punkt 1 wäre kein wahres Problem, es gibt ja das Programm exif auch auf der Kommandozeile. Punkt 2 liesse sich mit gphoto2 auch Kommandozeilenbasiert lösen, aber so richtig elegant will mir das dann doch nicht erscheinen. Also habe ich mich nach dem neuesten Stand an Kamera-Programmen umgeschaut. Als KDE-Benutzer landet man also zwangsläufig bei digiKam. Im folgenden nun eine kleine Vorstellung des Programms und insbesondere die Zusammenarbeit dessen mit der Kamera (und hoffentlich allen anderen PTP- und GPhoto2-unterstützten Kameras).
Zugegeben, ich hab vor dem Kauf verpennt zu schauen welche Sprache die Kamera über USB spricht, irgendwie habe ich blind damit gerechnet, dass es Mass-Storage sein muss. Das habe ich bei dem Preis einfach vorausgesetzt. Erst als dann auf der Verpackung des USB-Kabels dick und rot geschrieben stand "Bitte vor dem Anschliessen der Kamera die beiligenden Treiber installieren" wurde ich hellhörig.
Nach dem Anschliessen an den Rechner hat sich zwar der Kernel brav gemeldet, dass ein neues USB-2.0-Gerät da wäre, aber kein SCSI-Disk-Modul, kein USB-Modul, gar nichts. Google bietet allerdings bei dem Kameramodell sofort einen Treffer in der Kompatibilitätsliste von GPhoto2 an, also schonmal ein Lichtblick, GPhoto2 und die darauf basierenden Programme sollen ja ziemlich gut geworden sein.
Laut der Kompatibilitätsliste läuft die Kamera in 2 Modi, einem Canon-Proprietär-Modus und einem PTP-Modus. Dabei war als Beschreibung des PTP auch gleich ein kleiner Absatz über die Hintergründe. PTP ist nicht böse oder so, es ist einfach ein Protokoll zum Ansteuerung von Digitalen Kameras weil USB-Mass-Storage nicht alles unterstützt, was die Kameras bieten. PTP ist komplett offengelegt und wird (offenbar) von jedem Hersteller auch korrekt implementiert.
Das Programm ist vor Kurzem in der Version 0.7.3 erschienen, die ich natürlich gleich installiert habe. Nebenstehend ein Screenshot des Hauptfensters nach der Grundkonfiguration und dem Erstellen einiger Fotoalben. Mir gefällt recht gut, dass digiKam sich mit meiner alten Bilder-Sortier-Methode (Konsole, mv und Konsorten) sehr gut verträgt, weil es seine interne Baumstruktur einfach auf die Verzeichnisstruktur abbildet. Alles was im Dateibaum nicht gespeichert werden kann, legt digiKam in einer Datei im Hauptverzeichnis des Foto-Albums ab. Daher kann man auch weiterhin mit rsync die Daten synchronisieren.
Ein nettes Gimmick ist IMHO die Verzeichnis- oder Album-Vorschau. Oft erkennt man bereits an einem kleinen Bildchen, worum es in dem Album geht. Per Default setzt digiKam das erste Bild eines Verzeichnisses als Album-Preview, man kann aber auch jedes beliebige andere Bild des Albums als Preview setzen.
Mit einem Doppelklick auf ein Bild gelangt man zum Bildbetrachter / -editor. Die Oberfläche wirkt beim ersten Betrachten sehr simpel und erweckt nicht grade den Eindruck als könnte man da viel am Bild bearbeiten. Durch den Plugin-Mechanismus von digiKam (Paket media-plugins/digikamimageplugins) und die KIPI-Plugins (Paket media-plugins/kipi-plugins) fügen sich einige Menü-Einträge ein, die geniale Dinge wie einen effektiven Rote-Augen-Entferner oder einen nachträglichen Weissabgleich mit wenigen Handgriffen machen lassen. Zudem stehen auch die üblichen Funktionen wie Helligkeit/Kontrast/Gamma und Farbbalance zur Verfügung.
Leider ist das Anschauen der EXIF-Informationen und das Setzen eines EXIF-Kommentars nicht ganz so komfortabel wie ich mir das gewünscht hätte, aber immernoch akzeptabel. Bei den Eigenschaften kann man den EXIF-Tab auswählen und sieht dort alle oder nur die wichtigsten Infos. Parallel dazu gibts auch ein Histogramm, das macht die Sache auch ziemlich interessant.
Im Ganzen bin ich momentan ziemlich begeistert von digiKam und werde es jetzt intensiver nutzen. Die KIPI-Plugins kenne ich erst seit gerade eben und kann nur zitieren, was die laut Dokumentation alles können, ausprobieren werde ich die eine oder andere Funktion aber definitiv auch noch.
Es gibt sogar einen KIPI-Exportfilter für das Gallery-System. Leider funktioniert das bei mir grade nicht, das muss ich nochmal anschauen. :-)
Das System Gallery hatte bei mir bis heute auch einen eher schlechten Touch, dann habe ich es installiert und bin auch davon positiv überrascht. Dank PHP-als-CGI kann das jetzt problemlos alle Dateien hochladen. Wenn ich diese beiden Programme (digiKam und Gallery) jetzt noch kombiniert bekomme, bin ich glücklich. :)
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